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Gründung & Entwicklung

Schon vor der Wende gehörte Potsdam zu den Städten (wie Berlin, Dresden und Leipzig), in denen sich eine dynamische alternative Kulturszene entwickelt hatte. Schriftsteller, junge Regisseure, Schauspieler, Maler und Tänzer arbeiteten in zahlreichen Klubs und anderen Orten, erkundeten innovative Kunstformen und versuchten ihre Erfahrungen und Motivationen miteinander auszutauschen. Nach dem Mauerfall entstanden zahlreiche künstlerische Projekte in besetzten Häusern im Zentrum Potsdams, wo Räumlichkeiten der ehemaligen DDR-Regierung ausgeräumt wurden. Die fabrik Potsdam wurde auch in diesem Umfeld, in einer ehemaligen Brauerei in der Gutenbergstrasse, geboren.

Das Projekt war, in Potsdam ein Kunstzentrum für Nachwuchstalente zu schaffen, in dem Tanz- und Musikveranstaltungen auf die Bühne gebracht werden können. Gleichzeitig wurde die fabrik Company gegründet, eine Tanztheater-Company, die schon bald ihre Produktionen in Potsdam und in anderen Städten zeigte. Ein Jahr später, 1991, erhielt die fabrik Potsdam, die 1990 zum Verein wurde, ihre ersten öffentlichen Förderungen vom Land Brandenburg. Damit konnte die fabrik Potsdam anfangen, die ersten technischen Investitionen für eine professionelle Bühne zu realisieren und startete die Potsdamer Tanztage, das internationale Festival für Zeitgenössischen Tanz, das seitdem jedes Jahr stattfindet.

1992 stieß Sabine Chwalisz zur Gruppe und übernahm mit Till und Hoffmann die künstlerische Leitung der fabrik Potsdam. 1993 musste die fabrik Potsdam die Räumlichkeiten in der Gutenbergstrasse verlassen und siedelte in die Schiffbauergasse auf den Ufern des Tiefen Sees um. Diese industrielle Zone, die vorher von der russischen Armee genutzt wurde, bot Möglichkeiten für das Theater, das sich sukzessiv im „Fischhaus“ und in der Reithalle B niederließ. Die Räumung aus der Gutenbergstrasse, die damals Schlagzeilen in der Presse machte, ist für die fabrik Potsdam ein tiefer Schock gewesen – um so mehr weil sie in Abwesenheit der künstlerischen Direktoren, die in der Zeit ein Gastspiel in Dresden gaben, vollzogen wurde. Die Mitglieder des Theaters blieben ihrem Motto treu: „Je mehr Hartnäckigkeit und Energie von uns aufgebracht wird, desto mehr Aufmerksamkeit erhalten wir, auch wenn es widerwillig stattfindet“.

In den Folgejahren wuchs die fabrik Potsdam mit unterschieldichen Projekten, die ihr internationale Anerkennung gaben. 1995 organisierte die fabrik das Projekt Telling Times, das über drei Monate TänzerInnen aus dem Osten und dem Westen für Improvisationen, Veranstaltungen und Workshops zusammenbrachte. Dieses Projekt ermöglichte der fabrik Potsdam einen künstlerischen Aufschwung sowie eine breitere Resonanz. Von 1999 bis 2008 trat die fabrik Company international in ausgedehnten Tourneen mit mehreren ausgezeichneten Produktionen auf. 2001 gründete die fabrik mit Aurora Nova eine Bühne am Fringe Festival in Edinburgh. Dies gab ihr eine internationale Sichtbarkeit als Koproduzentin und Veranstalterin von Tanz- und Neuen Circus-Produktionen. Im Rahmen der Bundesweiten Tanzförderungkampagne Tanzplan Deutschland auf Initiative der Kulturstiftung des Bundes erhielt die fabrik von 2006 bis 2010 Unterstützung für einen internationalen Residenz- und Forschungsprogramm: Tanzplan Potsdam. Mit bis zu 15 dotierten Residenzen im Jahr etablierte sich die fabrik zu einem wichtigen internationalen Produktionsort für den Tanz. 2018 startete die fabrik mit dem Projekt Explore dance - Netzwerk Tanz für junges Publikum in Zusammenarbeit mit k3 Hamburg und Fokus Tanz München ein dreijähriges Programm zur Produktion von Tanzstücken für junge ZuschauerInnen.

Die fabrik Potsdam ist heute eine von der Kulturpolitik, der Bevölkerung und der internationalen Tanzszene anerkannte Kultureinrichtung geworden. Sie erhält Förderungen von der Stadt, vom Land Brandenburg und von der Kulturstiftung des Bundes. Diese Unterstützungen ermöglichen der fabrik Potsdam eine Fortsetzung ihrer künstlerischen Tätigkeiten als Veranstalterin, als Produktionsort und für Vermittlungsarbeit. Über die Jahre aufgebaute Kooperationen und Netzwerke ermöglichen ihr, ein breites Programm für die Förderung des Zeitgenössichen Tanzes anzubieten.

 

Auszeichnungen für die fabrik Potsdam / fabrik Company

Fringe First Awards:
1999 für Hopeless Games
2002 für fallen
2003 für Pandora 88

Jack Tinker - Spirit of the Fringe Award 2001 für Wolfgang Hoffmann

Herald Angel Awards:
2001, 2002 und 2003 für aurora nova
2003 für Pandora 88

 

Zeitlinie

1990 Gründung der fabrik Potsdam u.a. durch Sven Till, Wolfgang Hoffman und Zap in der Gutenbergstrasse 105

1991 April: amtliche Eintragung des Vereins fabrik e.V. / Erste Förderung des Landes Brandenburg / Erste Ausgabe der Potsdamer Tanztage

1992 Sabine Chwalisz, Tänzerin, schließt sich der fabrik Potsdam an

1993 Räumung der Gutenbergstrasse / Die Schiffbauergasse wird von der freien Szene Kulturstandort genutzt / fabrik Potsdam im Fischhaus

1996 Ausbau der Reithalle B zur Bühne für die fabrik / Umzug in die Maschinenhalle, die aktuelle Stätte der fabrik Potsdam

2001 Die fabrik initiert Aurora Nova als Präsentationsformat von fabrik Koproduktionen beim Fringe Festival in Edinburgh

2005 Sanierung der fabrik Potsdam und Baustart von vier Tanzstudios (Studiohaus)

2006 Wiedereinzug der fabrik Potsdam als Internationales Zentrum für Tanz und Bewegungskunst / Start des Residenz-Programms Tanzplan Potsdam mit Unterstützung u.a. der Kulturstiftung des Bundes / Start von Projekten Tanz in Schulen

2008 Eröffnung des Studiohauses / Erste Ausgabe vom Internationalen Swing Workshop HavelHop

2010 Zwanzig Jahre fabrik und zwanzig Jahre Potsdamer Tanztage

2011 Start des Residenzformats Étape Danse

2012 Erste Ausgabe vom Festival Made in Potsdam

2013 Start des Residenzformats Studio Québec

2015 Erste Ausgabe von Arrabal – Tangofestival Potsdam

2017 Gründung der fabrik moves gUG

2018 Start des Programms Explore Dance - Netwerk Tanz für junges Publikum

2019 Teilnahme an das Jubiläum Bauhaus100 mit den Potsdamer Tanztagen

2020 Erste Ausgabe des Festivals Kunst und Klima

2021 Start des Residenzprojekts DiR – Dance in Residence Brandenburg im Rahmen von TANZPAKT RECONNECT / 30. Jubiläum der fabrik Potsdam und der Potsdamer Tanztage

 

 

Die Schiffbauergasse

Der Standort der Schiffbauergasse ist, unweit der Glienicker Brücke zu Berlin, von der politischen und industriellen Geschichte Potsdams geprägt. Dieses industrielle Gelände, das am Ufer des Tiefen Sees liegt, hat nach dem Abzug der russischen Armee einen außerordentlichen Rahmen mit einer einzigartigen Energie und Atmosphäre für künstlerisches Arbeiten geboten. Seit 1998 ist die fabrik Potsdam in der sogenannten Maschinenhalle und seit 2008 auch im Studiohaus zu Hause. Von 2000 bis 2008 wurde mit Mitteln der Europäischen Union ein Förderprogramm zur Entwicklung des Geländes genutzt mit dem Ziel einen überregional ausstrahlenden Kulturstandort zu entwickeln, der die geleistete Aufbauarbeit anerkennt und fortführt und der fabrik Potsdam sowie anderen Trägern die Grundlagen zur qualitätsvollen Weiterentwicklung sichert. Aus der Schiffbauergasse ist heute ein lebendiges internationales Kunstquartier geworden, das als Kulturstandort Schiffbauergasse mit dem kommunalen Hans-Otto-Theater, dem Waschhaus, dem T-Werk, dem Theaterschiff, dem Museum Fluxus+, dem Frauenzentrum und weiteren Kulturinstitutionen bekannt ist.